Point-And-Shoot #8: Sycamore Island

December 01, 2013

Mein Nachbar Bob lebt schon ewig in Potomac. Wir treffen uns gelegentlich beim spazieren gehen. Vor einiger Zeit erzählte er mir von einer geheimnisvollen Insel im Potomac, nicht weit von Glen Echo gelegen. Mit einem privaten Bootsclub, zugänglich nur mit Hilfe einer kleinen Fähre, die an einem Kabel durch den Fluss gezogen wird. Allein schon der Zugang sei beeindruckend! Wenn man gegenüber vom alten Sycamore Store parkt, in den Wald hinein geht, unter der baufälligen Eisenbahnbrücke hindurch den Berg hinunter klettert und schließlich von einer Behelfsbrücke über den C&O-Kanal die Fähre erblickt, das sei einfach fantastisch, "A Magic Place".

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Ich war natürlich elektrisiert! Eine geheimnisvolle Insel im Potomac, quasi vor unserer Haustür gelegen? Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass es sich um Sycamore Island handeln musste, einer normalerweise unbewohnten Insel, die nur behelfsweise Strom und Telefon hat, und die tatsächlich nur mit einem kleinen, handbetriebenen Floß erreicht werden kann. Sie beherbergt allerdings einen privaten Kanuclub, der sogar eine eigene Website hat. Nach einigem Stöbern fand ich den "Caretaker", der per E-Mail erreicht werden konnte. Das Besuchen der Insel sei kein Problem, sagte er, und schlug vor, die Details per Telefon zu klären. 

Das klappte nicht so ganz, also habe ich mich erst einmal selbst auf den Weg gemacht. Es war alles so, wie Bob es beschrieben hatte. Der alte Store gegenüber vom Parkplatz, die baufällige Eisenbahnbrücke, der Übergang über den Kanal und die Kabelfähre. Als ich am Fluss ankam, regnete es in Strömen und natürlich war nicht daran zu denken, auf die Insel zu kommen. Niemand war da, die Fähre war am Ufer festgekettet, und es bei Sturm und Regen zu versuchen, wäre sowieso nicht ratsam gewesen. 

Zweimal bin ich dann noch da gewesen, und an einem Sonntag Nachmittag im September hatten wir Glück: die Fähre war am gegenüber liegenden Ufer festgemacht, also musste jemand auf der Insel sein! Nach einiger Zeit kam die Fähre auf unsere Seite gefahren und es stellte sich heraus, dass der Bruder des Caretakers auf der Insel war, um nach dem Rechten zu sehen und etwas aufzuräumen. Ich erzählte ihm meine Geschichte, und er hatte - zu unserer Überraschung - überhaupt keine Probleme damit, uns auf die Fähre zu bitten und auf die Insel zu bringen. Auf der anderen Seite gab er uns eine kleine Einweisung, wünschte uns viel Erfolg beim Fotografieren und legte sich dann zum Dösen ins Bootshaus. Gelegentlich stand er auf und holte weitere Besucher ab oder fuhr sie auf die andere Seite zurück. 

Wir haben ungefähr eineinhalb Stunden auf der Insel verbracht und konnten uns alles in Ruhe ansehen. Es gibt ein Bootshaus mit Aufenthaltsraum, Werkstatt und Küche, Kanus, mit denen man auf den Potomac hinaus fahren kann, ein paar Pontons und Badestellen, sowie viele ungestörte Ecken, an denen man in völliger Ruhe mitten in der Natur ein paar ungestörte Stunden verbringen kann. Alles ein bisschen rustikal und mit unglaublich viel Charme. 

Nachfolgend einige Impressionen von der Insel; zunächst das Floß und das Clubhaus:

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Die Badestege laden zum Schwimmen und Ausruhen ein, am südlichen Ende findet man ein Baumhaus, einen Grillplatz und viel urwüchsige Natur:

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Wenn man genügend Zeit hat, lohnt es sich, ein bisschen herum zu stöbern, denn es gibt unzählige Details zu entdecken.

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Das zweigeschossige Clubhaus hat eine Küche, ein Billardzimmer und einen großen Aufenthaltsraum:

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Mit dieser Glocke, die man mit Hilfe langer Seile vom Ufer aus läuten kann, ruft man den Fährmann, wenn man wieder ans andere Ufer möchte:

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Vor dem Unterstand mit den Kanus fand sich sogar eine Tasse mit Club-Emblem:

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Wie kommt man auf die Insel? Eigentlich nur, wenn man Mitglied des Kanuclubs ist, aber dessen Warteliste soll lang sein. Man kann die Insel wohl auch buchen, um dort Feiern oder ähnliche Veranstaltungen abzuhalten. Oder man hat einfach Glück, ist zur rechten Zeit da, und trifft auf einen gut gelaunten Caretaker, der nichts dagegen einzuwenden hat, Besucher auf die Insel und wieder zurück zu bringen. Es lohnt sich, es einfach mal zu probieren, denn viele Plätze dieser Art gibt es in und um D.C. nicht. Wer schon einmal vorbei schauen will, stellt sein Auto etwas südlich vom Glen Echo Amusement Park auf dem Parkplatz an der Ecke MacArthur Blvd und Walhonding Road ab, geht in den Wald hinunter und unter der Eisenbahnbrücke hindurch, überquert den Clara Barton Parkway und hält von der verbogenen Brücke über den C & O Canal Ausschau nach der Fähre. Falls sie in Betrieb ist, einfach den Fährmann fragen. Falls nicht, eignet sich der Towpath sehr gut für einen Spaziergang bis zum Little Falls Dam und zurück.

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