Blick nach Westen

August 27, 2014

Viele Jahre standen sie auf dem ihnen zugedachten Platz. Gut zu sehen, würdevoll, Respekt einflößend. Genau auf der Achse zwischen dem Palast der Republik und dem Neptunbrunnen standen sie, an überaus prominenter Stelle. Den Fernsehturm am Alexanderplatz, das weithin sichtbare Wahrzeichen Ost-Berlins, fest im Blick.

Auch nach der Wende blieben sie dort stehen, trotz einiger Kontroversen. 

Zuletzt habe ich die beiden bei einem Besuch im April 2006 fotografiert. Im Hintergrund sieht man noch den Palast der Republik, mit dessen Abriss gerade begonnen worden war, rechts den Berliner Dom.

Doch irgendwann kam die Erweiterung der U5 bis zum Brandenburger Tor und die beiden Vaterfiguren des Kommunismus mussten weichen. Seit September 2010 sitzen (bzw. stehen) Marx und Engels am Nordwestrand des ehemaligen Marx-Engels-Forums, direkt an der viel befahrenen Karl-Liebknecht-Straße:

Einigermaßen würdevoll sehen sie ja immer noch aus, und die weit gereisten Touristen wissen ihre Anwesenheit durchaus zu schätzen.

Aber irgendwie ist es nicht dasselbe. Der Blick geht in die andere Richtung, nach Westen, und viel gibt es da nicht zu sehen, außer ein paar Großbaustellen. Vielleicht haben die beiden ihren Blick gewendet, um die Auswüchse des Kapitalismus zu studieren. Was in den Überresten der ehemals sozialistisch-kommunistisch geprägten Staaten abläuft, findet jedenfalls hinter ihrem Rücken statt. Vielleicht ist es besser so.